DARIO MAGGIORE X BULLFROG


Illustrator, Comiczeichner, Musiker: Dario Maggiore ist der Bullfrog Artist 2019. Mit einem fließenden Stil, der sich über die Jahre mehrmals verändert hat, und einem Geist, der mehr bahnbrechend als angepasst ist, hat er Bullfrog mit seiner Farbe bekleckst und so einzigartige Produkte kreiert, die als Schnittstelle zwischen der besonderen Ironie von Dario und der Ästhetik der Barberie betrachtet werden können. In dieser Ausgabe der Gazette lässt Bullfrog Dario Maggiore Raum, um sich zu präsentieren, sodass alle Leser den Autor dieser Kooperation besser kennenlernen.

 

Was haben Bullfrog und Dario Maggiore gemeinsam?


Es geht also gleich mit einer schwierigen Frage los?! Darauf fällt mir eine Antwort schwer. Wenn ich ehrlich bin, dann bringe ich Bullfrog hauptsächlich mit Romano Brida, dem Firmengründer, in Verbindung. Mit Romano verbinden mich natürlich ein Punk-Background und eine Leidenschaft für all das, was als „Kustom“ bezeichnet werden kann. Wenn ich hingegen an meine eigene Geschichte denke, dann muss ich unbedingt meinen Großvater erwähnen, der als Barbier arbeitete. Dies ist wahrscheinlich mehr als alles andere eine außergewöhnliche Gemeinsamkeit mit Bullfrog!

 

Welche Inspirationsquelle haben Sie für Ihre Arbeit?


Dies hängt vom Ergebnis ab, das entstehen soll. Ich bin für meine Schallplattenhüllen für Punk- und Hardcoregruppen, für meine Poster für Konzerte sowie für Merchandising-Artikel für einige Skateshops bekannt. Das ist mein Arbeitsbereich, deshalb lasse ich mich von den Arbeiten einiger der bekanntesten Zeichner der 80er- und 90er-Jahre inspirieren: Jim Phillips (Santa Cruz) Vernon Courtlandt Johnson (Powell-Peralta), Jaime Hernandez (Stalag13), Pushead (Misfits, Metallica).

 

Wie würden Sie Ihren Stil ausgehend von Ihrer Person (Frisur, Kleidung) bis zu Ihrem künstlerischen Ausdruck definieren?


Als ich noch jünger war, habe ich häufig meinen Stil rundum verändert, aber außer etwas mehr oder weniger „Greaser“ und Rock‘n‘Roll bin ich immer der Hardcore-Ästhetik aus Vans Old Skool, Jeans oder (im Sommer) Bermudas in Tarnfarbe und Shirts von Punkgruppen oder Skate Companies treu geblieben. Heute ziehe ich mich genau gleich an, aber seit Jahren trage ich auch Hawaii-Hemden, nach denen ich im wahrsten Sinne des Wortes verrückt bin. Auch meine Frisur habe ich mehrmals geändert. Sehr lange habe ich mein Haar fast kahl rasiert getragen, denn als Junge stellte ich mir gerne vor Straight Edge zu sein. Doch mit etwa 23 Jahren habe ich begonnen Brillantine zu verwenden und eine Elvis-Frisur zu tragen. Danach habe ich mir die Haare bis knapp unter die Schultern wachsen lassen, um sie anschließend wieder abzuschneiden. Und auch beim Zeichnen habe ich meinen Stil häufig gewechselt. Ich bin von Vektorgrafik zu „OBEY“ übergegangen, als Obey Giant und Shepard Fariey in Mailand noch vollkommen unbekannt waren, und anschließend zu Comics und handgezeichneten Illustrationen. Zusammengefasst war ich jemand, der Veränderung mochte, vielleicht um zu erfahren, wer ich wirklich war. Seit kurzer Zeit bin ich bei einem langen, ungepflegten Bart (für den mich meine Frau hasst!) und einem lockerem Haarbüschel an der Stirn, das bei Bedarf mit Pomade gestylt wird. Gleichzeitig ist auch mein Zeichenstil schon seit längerer Zeit unverän.

 

Wann und wie haben Sie Ihre Berufung erkannt?

Ich habe immer gezeichnet. Als kleiner Junge habe ich meinen Bruder zeichnen gesehen. Er besuchte damals ein Institut für Kunstgrafik, daher zeichnete er ab und zu auch zuhause, und ich habe ihn nachgeahmt, denn mein Bruder war immer mein Mentor und meine wichtigste Inspirationsquelle. Ich weiß nicht warum, aber nach der Mittelschule war ich entschlossen Konditor zu werden und ich habe auch 3 Jahre lang im Gastgewerbe und zwei Jahre lang in der Konditorei gelernt!! Nach einer einmonatigen Arbeitszeit wurde mir jedoch klar, dass das nichts für mich ist und dass ich mir vielleicht eingestehen sollte, dass es einen Grund für die Schriftzüge und Zeichnungen auf allen Seiten und in jeder Ecke meiner Schulbücher geben musste. Ich habe erst sehr spät verstanden, dass ich der Welt des Zeichnens und der Grafik angehörte; wahrscheinlich weit später als all meine gleichaltrigen Kollegen. Es gelang mir nicht zu studieren und spezielle Kurse zu belegen, mit Ausnahme eines Kurses für Photoshop und Illustrator. Ich habe mir also alles selbst beigebracht und viele Dinge habe ich mir durch Learning by Doing angeeignet.

 

Was ist „Filler“ und in welcher Verbindung steht es zu Ihrem Motto „Do It Yourself“?


Filler ist eine Zusammenkunft in der Illustration und steht mit der Eigenproduktion und der Underground-Kunst in Verbindung. Es umfasst eine Reihe an Personen, Kreativen, Eigenproduzenten und Künstlern aus der Welt des Punk/Hardcore und des Skateboardings. Das Konzept und die Ethik des „Do It Yourself“ sind sehr stark im „Punk“ verwurzelt und verfügen über eine wichtige geschichtliche Konnotation. DIY entstand tatsächlich aus dem Bedürfnis sich in einer Welt auszudrücken, die es kleinen Gruppen nicht ermöglicht ihr Versteck zu verlassen. In den USA wurden die ersten Fanzines am Ende der 70er-Jahre illegal kopiert und in den Squats sowie während Konzerten oder in einigen speziellen Plattenläden verteilt. 40 Jahre später wurde das Konzept des „Do It Yourself“ deutlich verunstaltet und heute betrifft es nicht mehr nur Fanzines und Merchandisingartikel aus der Musikbranche, sondern alle Projekte jener, die ihren eigenen Weg gehen: von der Halskette oder einem Sammelobjekt bis hin zum Poster im Siebdruck oder einem handgenähten Kleid. Filler umfasst jedoch nur Künstler, die Projekte mit (mehr oder weniger) derselben Haltung wie vor 40 Jahren vorantreiben, die eine Botschaft überbringen und „etwas mitteilen“ möchten. Dabei handelt es sich nicht um Eigenproduktionen, denen ein Selbstzweck innewohnt.

 

Welches Verhältnis pflegen Sie zur Musik? Ist sie aus künstlerischer Sicht für Sie mehr oder weniger wichtig als die Illustration?
 

Gleich. Ich höre immer Musik, abgesehen von wenigen Momenten im Tagesverlauf. Im Zufallsmodus, außer ich habe gerade Lust auf ein besonderes Musikstück. Bei Stille kann ich nur schwer zeichnen, eigentlich überhaupt nicht. Musik beeinflusst den Gemütszustand und der Gemütszustand wird beim Zeichnen zum Ausdruck gebracht; daher wähle ich immer sorgfältig die Musik aus, bevor ich einen Stift auf das Blatt setze.

 

Berichten Sie uns von der Bedeutung der Illustrationen, die Sie für Bullfrog kreiert haben.


Häufig vergnüge ich mich damit kleine „Leitfäden“ zu erschaffen. Ich nenne sie „Leitfäden für ein besseres Leben“, aber in Wirklichkeit handelt es sich um eine Reihe an sarkastischen und pietätlosen Zeichnungen zu Themen, die mir am Herzen liegen. Das ist eine gute Möglichkeit, um Menschen aufzuheitern, indem ihnen kurz und knapp von lustigen Situationen berichtet wird oder Konzepte zum Ausdruck gebracht werden: ein Mittelmaß zwischen Comic und den Karikaturen in Rätselheften. Da sich auch die Barbiere genauso wie ihre Kunden an eine Ethik sowie an Regeln halten müssen, scheint das der Schlüssel zu sein, um Kunden und Spezialisten „zu erziehen“ ohne dabei langweilig zu erscheinen.

 

Rückblickend haben Sie sehr viel Erfahrung gesammelt. Würden Sie an Ihrem Werdegang etwas ändern wollen?


Ich blicke nicht gerne zurück. Ich bin nostalgisch und ich mag die „früheren Zeiten“, aber ich finde es sinnlos darüber nachzudenken, was ich gemacht haben könnte und was nicht. Denn ich frage mich, was das überhaupt ändert? Ich kann nur die Gegenwart betrachten und versuchen, mit der von mir gesammelten Erfahrung zu spielen und das Beste für mich und meine Familie zu erreichen.

 

Träumen Sie derzeit von etwas?


Von vielem, von zu vielem, von unendlich viel. Doch kein Traum kann wahr werden. Das scheint das Schöne am Leben zu sein. Aber vielleicht ist dies ein persönliches Problem von mir.


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